Sonntag, 23. August

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  • Christian 25. August 2015, 18:16

    Hey Sven,
    ich denke, Burnout gab es sehrwohl, bevor man ihm einen Namen gab, nur entweder ist es dann als normale Depression bezeichnet worden oder gar nicht erst erkannt worden.
    Einer meiner Freunde, der die gesamte Krankheit samt zwei Therapien durchgemacht hat, wußte solange von Burnout nichts, bis er selbst davon betroffen war. Er hatte damals einen Job, der ihm zwar Spaß gemacht hat, wo man ihm aber mit der Zeit immer mehr abverlangt hatte. Schließlich waren 14 bis 15h Arbeitszeit an der Tagesordnung und weil er seinen Wohnort nahe der Firma hatte, wurde er bei sämtlichen Problemen sofort gerufen, ja sogar aus seinem Urlaub geholt – und nein, er war kein Vorgesetzter.
    Er selbst dachte sich, dass er das einfach durchstehen muss. Immer und immer wieder und merkte gar nicht, wie es ihm mit der Zeit immer schlechter ging und er immer unausgeglichener wurde. Letztendlich ist sogar seine Ehe daran gescheitert! Erst als er zufällig ein Interview mit der Witwe des ehemaligen Torwarts von Hannover 96 – Robert Enke – im TV sah (der wohl einen Burnout hatte und daraufhin Suizid begangen hatte) und sämtliche Parallelen zu sich selbst entdeckte, wurde ihm bewusst wie ernst die Lage war und dass er sich professionelle Hilfe holen musste.
    Ich glaube aber, dass du Recht hast mit der Aussage, dass, wenn man einen Job leidenschaftlich gerne macht, einem das nicht als Arbeit vorkommt und man lange nicht soviel Stress ausgesetzt ist, als wenn man einen Job machen muss, nur um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

    Ich selbst habe die letzten Jahre über meinen Job in der Entwicklungsabteilung eines Verpackungskonzerns zwar gerne gemacht, aber nicht aus Leidenschaft. Da gibt es einen großen Unterschied. Das war wohl auch einer der Hauptgründe, warum ich es meinem Chef nie recht machen konnte. Nach einigen Monaten der persönlichen Neuorientierung folge ich nun meinem inneren Kompass, verzichte auf einen nicht unwesentlichen Teil meines Gehalts (es war eine große Überwindung!), mache aber dafür meinen Traum zur Realität. Nächsten Monat fange ich an als Lehrer an einer Fachschule für Chemie zu arbeiten. Das ist etwas, was ich immer schon machen wollte! Früher haben die Rahmenbedingungen nie gepasst, aber jetzt ist es endlich soweit!

    Viele Grüße
    Christian

  • Thomas 16. September 2015, 04:50

    Hallo Sven,
    Hallo Zusammen,

    frisch aus dem Urlaub zurück, kommentiere ich etwas verspätet, dennoch gerne. Grundsätzlich sehe ich das Thema Burnout genauso wie Du Sven. Endlich hat man einen Begriff gefunden um ein Phänomen zu erklären. Jetzt haben wir eine Erklärung und einen guten Grund, warum es uns schlecht geht und können dies jetzt auch gut begründen.

    Ich habe in meinem Arbeitsumfeld einige Kollegen, die sehr achtsam sind, nicht in den Burnout zu geraten. Sie dosieren Ihr Engagement sehr, um sich ja nicht zu überanstrengen. Das wird auch offen thematisiert. Der wirkliche Grund für das Verhalten ist jedoch, dass der Job Anstrengung bedeutet und Überwindung. Er macht keinen Spaß, erfüllt nicht und führt zu keiner persönlichen Befriedigung. Ich sag es mal so, es findet kein Austausch statt zwischen Ursache und Wirkung. Du bist ständig Ursache, Deine Wirkung ist jedoch egal. Du bekommst keine Anerkennung für besonders gute Arbeit, ob Du viel oder wenig erreichst ist völlig egal. Auch darüber wird offen kommuniziert.

    Das Problem ist, dass es scheinbar viel einfacher ist, den Job nicht zu wechseln und in der vermeintlichen Sicherheit sich schlecht zu fühlen, als ein neues Risiko einzugehen und sich einen neuen Job zu suchen, der einen erfüllt und Spaß macht. Gerade in meiner Altersklasse, der fünfzig jährigen beginnt dass denken, auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr erwünscht zu sein, nicht mehr gebraucht zu werden, bereits zum alten Eisen zu gehören. Doch die wirkliche Realität sieht anders aus, meine Altersklasse kompensiert viele Stärken der jüngeren mit Erfahrung.

    Ich hatte lange Zeit in meinem beruflichen Leben das Glück nicht „zur Arbeit“ gehen zu müssen. Gerade in meinen letzten 20 bis 30 Lebensjahren möchte ich dass tun können, was ich tun möchte nicht das was ich tun muss.

    Ich beobachte bei meiner 13 jährigen Tochter sehr genau, welche Prägungen wir hinterlassen haben. Es fordert dich niemand auf Deine Leidenschaft zu verfolgen, darum zu kämpfen und nicht auszuweichen. Das kann man in Deutschland auf keiner Schule lernen. Es unterstützt Dich niemand, keiner oder die wenigsten übernehmen eine Mentoren-Rolle und ermutigen dazu einfach mal ein kalkulierbares Risiko einzugehen.

    Die Ironie ist, dass eines der ersten Dinge, die man in einer Therapie bei Burnout tut ist und das weiß ich aus gesicherter Quelle, die Achtsamkeit auf sich selbst zu trainieren. Übersetzt höre auf das was Dir gut tut und verstärke es und verändere, was Dir schlecht tut.

    Nicht jeder hat die Fähigkeit und Möglichkeit sich selbstständig zu machen, aber das Beispiel von Christan zeigt, manchmal ist weniger mehr.

    Erinnern wir uns selbst und unsere Kinder sowie die uns nahestehenden Personen jeden Tag daran, dass es für ein glückliches Leben äußerst wichtig ist, dass zu tun, was man tun möchte.

    Viele Grüße
    Thomas

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